Sonntag, August 02, 2026

blockade.

Manche Einkaufswagen haben ein Rad, das nach links zieht. Am Anfang hält man dagegen. Unauffällig. Ein bisschen mehr Druck am Griff, ein bisschen mehr Konzentration. Wird schon gehen. Nach drei Gängen sind die Regale zu eng, die anderen Menschen zu langsam und der Boden vermutlich falsch verlegt. Nur an dem kleinen blockierten Rad kann es nicht liegen. Das wäre schließlich etwas, worum man sich kümmern müsste.

Plötzlich geraten Dinge ins Rutschen, die mit dem ursprünglichen Problem nichts zu tun hatten. Die Milch kippt um. Die Tomaten bekommen Druckstellen. Jemand wird angefahren und soll sich bitte nicht so anstellen. Währenddessen hält sich der Fahrer weiterhin für den Einzigen, der hier noch Ordnung in den Laden bringt. Es ist nur anstrengend für alle, die zufällig mit im Gang stehen.

Ich kann solchen Wagen ausweichen. Tue ich aber nicht immer. Weil noch jemand mitfährt, der für das blockierte Rad nichts kann. Also passe ich auf, dass die Eier nie ganz unten liegen. Ich kann Dinge auffangen, bevor sie herunterfallen. Eine praktische Begabung. Mehr nicht. Diese Fähigkeiten verpflichten mich allerdings nicht dazu, den Wagen bis zur Kasse zu schieben. Manche Räder ziehen nach links. Und manche Menschen finden den Supermarkt schief.

Samstag, August 01, 2026

absicht.

Die beiden Händler

In einer kleinen Stadt lebten zwei Händler. Der eine verkaufte Lügen. Große, glänzende Lügen, sorgfältig verpackt und mit bunten Schleifen versehen. Jeder erkannte sie, sobald er die Verpackung öffnete. Die Menschen waren empört, warnten einander und mieden seinen Laden. Der andere Händler verkaufte Unwahrheiten. Sie waren kleiner und unauffälliger. Er nahm ein Stück Wahrheit, schnitt das Unbequeme heraus und füllte die entstandene Lücke mit Schweigen. Danach sah alles beinahe echt aus.

„Ich habe doch nichts Falsches gesagt“, erklärte er, wenn jemand misstrauisch wurde. Und tatsächlich: Seine Worte waren selten vollkommen gelogen. Es fehlte nur immer genau der Teil, der ihre Bedeutung verändert hätte. Die Menschen vertrauten ihm lange. Denn eine offene Lüge macht Lärm. Eine Unwahrheit dagegen spricht leise. Sie lässt Tatsachen weg, verschiebt Zusammenhänge und erzählt nur so viel, wie nötig ist, um glaubwürdig zu bleiben.

Eines Tages kaufte eine Frau bei beiden Händlern. Die Lüge des ersten erkannte sie sofort und gab sie zurück. Die Unwahrheit des zweiten nahm sie mit nach Hause. Erst viel später bemerkte sie, dass etwas fehlte. Nicht irgendein Detail, sondern genau die Wahrheit, die sie gebraucht hätte, um selbst entscheiden zu können.

Da verstand sie. Eine Lüge täuscht mit dem, was sie sagt. Eine Unwahrheit täuscht mit dem, was sie verschweigt. Und der entscheidende Unterschied liegt nicht nur in den Worten, sondern in der Absicht.

Freitag, Juli 31, 2026

genug.

Ich bin so unendlich müde von diesem Tag. Und ehrlich gesagt auch von dieser Woche. Nicht auf diese angenehme Art, bei der man sich ins Bett legt und sofort einschläft. Eher so müde, dass im Kopf noch sämtliche Gespräche, Entscheidungen und unerledigten Themen durcheinander laufen, während der Körper längst Feierabend beantragt hat. Mein Kopf explodiert seit Tagen. Gerade einfach zusammen auf dem Balkon gesessen. Nichts Besonderes. Kein großes Gespräch. Kein sorgfältig geplanter Abend. Wir haben uns von unserem Tag erzählt. Wer was gesagt hat. Was genervt hat. Was funktioniert hat. Dann einfach Schweigen. Dieses gute Schweigen, bei dem niemand sofort glaubt, etwas reparieren zu müssen. Und plötzlich wurde der Tag für einen Moment leiser. Nicht besser. Nicht ungeschehen. Morgen warten dieselben Themen schon wieder auf mich. Aber für einen Moment musste ich mal nichts entscheiden, nichts halten und niemandem erklären, wie es jetzt weitergeht. Ich konnte einfach dasitzen und erzählen. Und jemand hörte zu und nickte. Nähe ist gar kein großes Ereignis. Manchmal ist sie nur ein Platz neben jemandem, an dem man den Tag ablegen darf. Der einen in den Arm nimmt, festhält und küsst. Nicht mehr. Aber heute ist genau das genug. 

Mittwoch, Juli 29, 2026

durchsage.

Sehr geehrte Damen und Herren, 

aufgrund erhöhter Auslastung entfallen heute Freundlichkeit, Geduld und spontane Zusatzleistungen. Wir bitten um Ihr Verständnis. Oder wenigstens um Ruhe.

Danke. 
Frau Eiskalt. 

Dienstag, Juli 28, 2026

entscheidungsvorlage.

Ich habe in meinem Leben sehr viele Entscheidungsvorlagen gesehen. Einige davon enthielten sogar Entscheidungen. Die meisten beginnen mit einer Titelfolie, auf der das Wort Entscheidung erstaunlich selbstbewusst steht. Danach folgen Ausgangslage, Zielbild, Marktumfeld, strategische Einordnung, relevante Entwicklungen, Chancen, Risiken, Annahmen, Abhängigkeiten und ein Anhang, der vorsorglich schon einmal alles enthält, was später niemand gelesen haben will. Auf Seite 17 taucht zum ersten Mal die eigentliche Frage auf. Etwas klein. Rechts unten. Zwischen zwei Kästen. Bis dahin wurde sehr gründlich erklärt, warum das Thema wichtig ist. Alle nicken. Wichtig ist immer gut. Wichtig klingt nach Führung, ohne dass bereits jemand etwas führen müsste.

Dann kommen die Optionen. Option A ist teuer. Option B ist langsam. Option C ist strategisch nicht ganz sauber. Option D wurde nur aufgenommen, damit Option B vernünftig aussieht. Zu jeder Option gibt es Punkte, Ampelfarben und Symbole, die objektiv wirken sollen. Grün bedeutet gut. Rot bedeutet schlecht. Gelb bedeutet: Man möchte sich später nicht vorwerfen lassen, etwas übersehen zu haben. Am Ende gewinnt überraschend genau die Option, die vorher schon alle wollten. Sie wird trotzdem nicht Empfehlung genannt. Das wäre zu eindeutig. Stattdessen heißt es: „Aus heutiger Sicht präferierte Stoßrichtung unter Berücksichtigung der derzeit bekannten Rahmenbedingungen.“ Man muss aufpassen mit Sprache. Ein klarer Satz kann später noch gegen einen verwendet werden.

Ich sitze dann da, blättere auf Seite 38 und frage mich, ob ich zwischendurch versehentlich die Handlung verpasst habe. Irgendjemand möchte noch einen Satz zur Governance ergänzen. Jemand anderes bittet um eine Sensitivität. Ein Dritter weist darauf hin, dass die operative Perspektive stärker berücksichtigt werden müsse. Einer sagt: „Wir müssen das noch einmal ganzheitlich betrachten“, und alle tun für einen kurzen Moment so, als sei das eine Information. Das SteerCo-Meeting endet mit dem Ergebnis, dass die Entscheidungsvorlage überarbeitet wird. Das ist nicht dasselbe wie keine Entscheidung. Es ist professioneller.

Was mich daran inzwischen manchmal wirklich wütend macht, ist nicht die Sorgfalt. Auch nicht die Tatsache, dass Menschen unterschiedliche Perspektiven haben oder Risiken sauber abwägen wollen. Das gehört dazu. Mich kotzt diese organisierte Ablehnung von Verantwortung an. Dieses ständige Verschieben. Noch eine Schleife. Noch ein Gremium. Noch eine Rückfrage. Noch jemand, der bitte bestätigen soll, dass man im Nachhinein nicht allein verantwortlich gewesen sein wird. Am besten entscheidet am Ende der Prozess. Oder die Governance. Oder die Datenlage. Hauptsache, niemand muss später sagen: Ich habe das entschieden.

Natürlich sind gute Entscheidungen selten einfach. Man braucht Zahlen. Abhängigkeiten. Konsequenzen. Alternativen. Risiken. Man sollte verstehen, was man auslöst, bevor man es auslöst. Aber irgendwann ist eine weitere Folie keine zusätzliche Erkenntnis mehr. Sie ist nur noch eine sehr aufwendig gestaltete Form von Nervosität. Entscheidungen haben nämlich diese unangenehme Eigenschaft, Entscheidungen zu bleiben, auch wenn man sie in vierzig Seiten Kontext einwickelt. Am Ende muss jemand sagen: Das machen wir. Das machen wir nicht. Dieses Risiko tragen wir. Dieses nicht. Und ja, vielleicht stellt sich später heraus, dass es nicht die beste Entscheidung war. Das ist möglich. Verantwortung bedeutet nicht, immer recht zu haben. Verantwortung bedeutet, sich nicht hinter der Möglichkeit des Irrtums zu verstecken.

Dafür gibt es keinen SmartArt-Prozess. Keine Ampel. Keine Fußnote. Nur jemanden, der den Satz zu Ende bringt. Vielleicht ist eine gute Entscheidungsvorlage deshalb nicht die, die alle Fragen beantwortet. Sondern die, die endlich klar genug ist, damit niemand mehr so tun kann, als sei noch unklar, wer entscheiden muss. Manchmal reichen dafür genau drei Seiten. Eine für die Frage. Eine für die Folgen. Und eine, auf der später trotzdem noch jemand kommentiert: „Bitte ergänzen!“

Sonntag, Juli 26, 2026

abitur-jahrgang.

Ich wurde der WhatsApp-Gruppe „Abitur-Jahrgang 2001“ hinzugefügt. Und plötzlich schaut man sich durch Profilbilder in eine Zeit zurück, die sich gleichzeitig ewig her und erstaunlich nah anfühlt. Einige Gesichter haben sich gefühlt überhaupt nicht verändert. Abgesehen davon, dass wir inzwischen angeblich einfach 25 Jahre mehr auf dem Tacho haben. Bei anderen sitze ich davor und bekomme das Gesicht beim besten Willen keiner Person von damals mehr zugeordnet. Irre, was Zeit mit Menschen macht.

Neulich habe ich erst ein Bild von einigen Jungs aus meinem Jahrgang gesehen, die sich scheinbar noch regelmäßig treffen. Bei zweien habe ich kurz gezuckt, weil ich erschrocken war, wie alt sie aussehen. Da war die Zeit wirklich nicht besonders gnädig. Teilweise hatte ich spontan deren Väter von damals im Kopf. Verrückt, diese Ähnlichkeiten. Und ja, in solchen Momenten freue ich mich dann jedes Mal ein bisschen darüber, dass ich offenbar immer noch locker als Mitte bis Ende 30 durchgehe und die Leute eher sehr überrascht sind, wenn ich ihnen verrate, dass ich Mitte 40 bin. Man muss die kleinen Siege nehmen, wie sie kommen.

Zum Treffen werde ich trotzdem nicht gehen. Es passt zeitlich gar nicht, ist mir zu kurzfristig und ehrlich gesagt bin ich auch nicht scharf genug darauf. Aber neugierig bin ich mittlerweile schon ein bisschen. Zumindest auf ein paar einzelne von damals und darauf, was aus ihnen geworden ist. Wir waren früher so ein vierblättriges Kleeblatt. Irgendwann ist das komplett auseinandergegangen. Vielleicht ist es genau das, was mich heute am meisten interessiert. Wer wir geworden sind, nachdem wir aufgehört hatten, gemeinsam zu sein. Vielleicht gehe ich in 2 oder 5Jahren doch mal zum Treffen. Who knows?

Samstag, Juli 25, 2026

fundstück.

In einer Jackentasche habe ich diese Woche einen alten Einkaufszettel gefunden. Milch. Nudeln. Zahnpasta. Wein. Offenbar eine ausgewogene Lebensphase. Ich mag solche kleinen Nachrichten aus einem früheren Alltag. Man weiß nicht mehr, an welchem Tag man sie geschrieben hat, was damals wichtig war oder ob man am Ende überhaupt alles gekauft hat. Aber für einen Moment hält man ein Stück seines vergangenen Lebens in der Hand. Dann wirft man es weg. Weil man inzwischen längst wieder neue Zettel produziert.

Donnerstag, Juli 23, 2026

halbzeit.

In ein paar Tagen kommt der Teenie wieder und plötzlich fühlt sich die Woche schon ganz anders an. Ein bisschen Vorfreude, ein bisschen Vermissen und dieses besondere Gefühl, wenn das Zuhause bald wieder richtig vollständig wird. Wir machen schon wieder Pläne. Das Einzige, was ich nur so semi vermisse: ihr Chaos. Es liegt nicht mal ein Wäscheturm im Bad. Hier ist es gerade fast so ordentlich, dass ich kaum etwas zum Aufräumen finde und tatsächlich an die Stellen gehe, die ich schon länger mal richtig ausmisten wollte. Der Mann hat sich netterweise sofort angeboten, diesen Part des Kindes selbstlos zu übernehmen. Gestern bin ich direkt über seine Schuhe gestolpert, die strategisch günstig im Weg standen und die ich mit der Wäsche auf dem Arm natürlich nicht gesehen habe. Läuft also.

Da die Beschaffung eines Ersatzes offenbar etwas Zeit in Anspruch nehmen würde, soll ich künftig besser aufpassen und mich möglichst nicht tödlich verletzen. Na gut, dann passe ich auf. Schon allein wegen der Lieferzeiten. Und selbstverständlich aus Gehässigkeit. Seine Lovelanguage: Risikomanagement.

Bis dahin genießen wir noch die letzten ruhigen Tage und zählen innerlich schon langsam runter.

Mittwoch, Juli 22, 2026

samstagsdate.

Wenn der Mann fragt, ob ich am Wochenende mit ihm zu IKEA komme und wir das schon länger nicht mehr gemacht haben. Natürlich habe ich sofort zugesagt, zum Yoga kann ich schließlich immer gehen. Gemeinsam seelenruhig durch Wohnwelten schlendern, Dinge kaufen, die wir vorher nicht brauchten und die nicht auf der Einkaufsliste stehen und zum krönenden Abschluss einen absolut mittelmäßigen Hotdog. Romantik kann so einfach sein. Das Leben ist schön.

Dienstag, Juli 21, 2026

narbenschmerz.

An manchen Tagen sind Narben nur feine Linien. Blass. Ruhig. Unauffällig. Man weiß, dass sie da sind, aber man spürt sie nicht. Sie gehören zum Körper wie alles andere, was irgendwann passiert und geblieben ist. Man lebt irgendwann darüber hinweg. Zieht sich an. Geht arbeiten. Kauft Brot. Lacht. Schafft und sammelt neue Erinnerungen. Führt Gespräche, in denen niemand ahnt, wie viel Vergangenheit unter einer ganz normalen Haut Platz findet. Und dann gibt es diese anderen Tage. Da verändert sich irgendetwas. Ein Geruch. Ein Satz. Ein Bild. Manchmal nicht einmal das. Manchmal kommt es einfach. Erst als Ziehen unter der Haut. Dann mit einer Wucht, die keinen Abstand mehr zulässt. Dann fühle ich den Verlust. Dann sehe ich die Verzweiflung. Dann spüre ich wieder diesen Druck auf meiner Brust, als würde die Luft im Raum plötzlich nicht mehr für mich reichen. Ich höre meine eigenen Schreie. Sehe die Tränen. Spüre den Aufprall auf den Boden. Nicht wie eine Erinnerung, die ich von außen betrachte. Ich bin wieder dort. Für einen Moment gibt es kein Damals. Mein Körper kennt offenbar keine Kalender. Er weiß nicht, wie viele Jahre vergangen sind. Er erinnert sich an die Enge. An die Hilflosigkeit. An dieses verzweifelte Nichtbegreifen. An den Augenblick, in dem etwas zerbrach und ich trotzdem irgendwie weiter atmen sollte. Mein Verstand weiß, dass es vorbei ist. Mein Körper weiß noch, wie es sich angefühlt hat.

Das ist das Beschissene an Narben. Sie zeigen, dass eine Wunde sich geschlossen hat. Aber sie versprechen nicht, dass sie nie wieder schmerzt. Lange dachte ich, Heilung müsse bedeuten, dass all das irgendwann keine Macht mehr über mich hat. Dass ich ruhig darüber sprechen kann. Abgeklärt. Fast sachlich. Als wäre Schmerz erst dann wirklich vergangen, wenn er sich ordentlich erzählen lässt. Heute glaube ich, Heilung sieht anders aus. Vielleicht ist sie der Moment, in dem mich die Erinnerung wieder mit voller Kraft trifft und ich irgendwann trotzdem erkenne, ich bin hier. Nicht dort. Ich höre die Schreie, aber sie sind nicht mehr real. Ich spüre den Druck, aber die Luft kommt zurück. Ich sehe die Tränen und diesmal bin ich nicht allein mit ihnen. Ich bin heute bei mir. An manchen Tagen zerreißt es mich noch immer. Dann fühle ich alles gleichzeitig. Den Verlust, den Schmerz, die Angst, die Verzweiflung und diese unfassbare Leere danach. Aber irgendwann wird der Raum wieder größer. Ich atme ein. Ich atme aus. Die Gegenwart legt sich langsam um mich. Die Narbe bleibt. Der Schmerz kommt manchmal zurück. Aber ich komme auch immer wieder. Zu mir. In diesen Raum. In dieses Leben. Zu den Menschen, die heute an meiner Seite sind. 

Montag, Juli 20, 2026

südkorea.

Ich darf als Nächstes eine Postkarte nach Südkorea schicken, an jemanden, der gerade ganz frisch mit Postcrossing angefangen hat. Und ich finde das irgendwie besonders schön. Vielleicht wird meine Karte eine ihrer ersten sein. Vielleicht liegt sie irgendwann zwischen vielen anderen aus der ganzen Welt und erinnert daran, wie alles angefangen hat.

Ich liebe die Idee, winzig kleine Sequenzen und Augenblicke aus unserem Leben loszuschicken und dafür Geschichten aus Orten zu bekommen, die ich vielleicht nie selbst sehen werde. Handschriften, Briefmarken, Stadtansichten, kleine Gedanken von fremden Menschen. Ein Stück Welt im eigenen Briefkasten. Ich mag das. Am schönsten finde ich die persönlichen Details. Welches Lied hört jemand gerade rauf und runter? Welches Gericht könnte er ständig essen? Wie sieht ein ganz normaler Tag aus? Und dann ist da das Aussuchen der Postkarte. Welche passt zu diesem Menschen und Profil? Was möchte ich von meiner Stadt, meinem Leben, meiner kleinen Ecke der Welt zeigen? Das macht mir meistens so viel Freude. Es ist ein tolles Hobby. Bester Tipp vom Mann, der mir das schon vor längerer Zeit mal für den Teenie empfohlen hatte - dieses Jahr endlich ausprobiert und schockverliebt. Der Teenie hat längst ihr eigenes Konto und testet nun den Travelmodus. 

Sonntag, Juli 19, 2026

fassade.

Heute unter der Dusche musste ich an einen meiner früheren besten Freunde denken. Vor einigen Jahren stand er vor mir, sah mich an und fragte: „Ist das Dein fucking Ernst? Was tust Du hier? Wer bist Du überhaupt geworden? Warum gibst Du Dir so viel Mühe, nach außen das perfekte Leben zu inszenieren? Und wo ist die krasse Frau, die ich einmal kannte? Das wirkt, als müsstest Du Dich selbst von Deinem Leben überzeugen.“

Scheiße, war ich sauer. Das hat mich voll getroffen. Ich konnte und wollte damals nicht sehen, was er sofort gesehen hat. Ich war zu beschäftigt damit, alles am Laufen zu halten. Gut ein bis zwei Jahre später fiel mein Leben komplett auseinander und mir um die Ohren. Rückblickend war es das Beste, was mir passieren konnte. Ich hatte mich in diesem Leben fast vollständig aufgelöst. Wir haben danach nie wieder miteinander gesprochen. Das ist inzwischen fast zehn Jahre her.